Pressemitteilung: Gewalt gegen Frauen ist kein Migrationsproblem

BetterPolice fordert sachliche Debatte und stärkeren Opferschutz

Berlin, den 26. März 2026 – Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Debatte über Gewalt gegen Frauen und entsprechende Aussagen des CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz warnt BetterPolice e.V. vor einer verkürzten und irreführenden Darstellung komplexer gesellschaftlicher Probleme. Der Verein fordert eine faktenbasierte Einordnung sowie eine stärkere Fokussierung auf wirksamen Opferschutz.

Ausgangspunkt der aktuellen Diskussion ist ein schwerer Gewaltfall, bei dem eine Frau Opfer massiver Gewalt wurde. In der anschließenden politischen Debatte wurde insbesondere die Herkunft von Tätergruppen in den Fokus gerückt. BetterPolice kritisiert diese Schwerpunktsetzung als nicht zielführend.

Gewalt gegen Frauen ist kein auf einzelne Bevölkerungsgruppen begrenztes Phänomen. Sexualisierte und häusliche Gewalt treten in allen sozialen, kulturellen und ökonomischen Kontexten auf. Eine Reduktion auf Herkunft oder Migration greift zu kurz und verstellt den Blick auf strukturelle Ursachen. Es handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem, das differenzierter analysiert und adressiert werden muss.

Aktuelle Lagebilder zeigen, dass die Zahl der Straftaten gegen Frauen und Mädchen weiterhin steigt und insbesondere häusliche Gewalt ein anhaltend hohes Niveau erreicht hat. Ein Großteil dieser Taten findet im sozialen Nahraum statt – in Partnerschaften, Familien und im direkten Umfeld. Gleichzeitig weist die geringe Anzeigequote, insbesondere bei Partnerschaftsgewalt, auf ein erhebliches Dunkelfeld hin. Ein großer Teil der Gewalt bleibt unsichtbar und damit auch unzureichend adressiert.

Vor diesem Hintergrund warnt BetterPolice vor monokausalen Erklärungsansätzen. Ein direkter Zusammenhang zwischen Migration und Gewalt gegen Frauen lässt sich aus den verfügbaren Daten nicht ableiten. Vielmehr zeigt sich, dass Faktoren wie Alter, soziale Lage und individuelle Lebenssituation eine wesentlich größere Rolle spielen. Zudem bildet die Polizeiliche Kriminalstatistik keine Aussagen über Migrationshintergründe ab, sondern differenziert ausschließlich nach Staatsangehörigkeit. Auch die Kategorie „Zuwanderer“ stellt keine einheitliche oder klar abgrenzbare Gruppe dar.

Die derzeitige Debatte verdeutlicht daher vor allem eines: Es braucht eine sachgerechte Kontextualisierung kriminalstatistischer Daten sowie eine Weiterentwicklung der Datengrundlagen selbst, wenn diese als belastbare Basis für politische Entscheidungen dienen sollen. Verkürzte Interpretationen tragen nicht zur Lösung des Problems bei, sondern riskieren die Verstärkung gesellschaftlicher Spaltungen.

Gewalt gegen Frauen entsteht häufig in Näheverhältnissen und ist eng mit Macht- und Abhängigkeitsstrukturen verknüpft. Gleichzeitig bestehen weiterhin erhebliche Defizite in Prävention, Schutz und Unterstützung Betroffener. Nachhaltige Verbesserungen lassen sich nicht durch vereinfachende Schuldzuweisungen erreichen, sondern durch den Ausbau von Hilfsstrukturen, den Abbau von Zugangshürden sowie die konsequente Einbindung von Betroffenenperspektiven in politische Entscheidungsprozesse.

Chiara Malz, Vorsitzende von BetterPolice, erklärt:

„Wer Gewalt gegen Frauen auf Herkunft reduziert, verkennt die Realität. Diese Gewalt entsteht nicht an den Rändern unserer Gesellschaft, sondern mitten in ihr – in Beziehungen, in Abhängigkeiten, in Machtverhältnissen. Wenn wir sie wirksam bekämpfen wollen, brauchen wir keine vereinfachten Schuldzuweisungen, sondern den Mut, strukturelle Probleme klar zu benennen und konsequent anzugehen.“

Mit Blick auf die Rolle staatlicher Institutionen ergänzt Malz:

„Die Polizei trägt eine besondere Verantwortung: Sie muss Gewalt konsequent verfolgen, Betroffene schützen und vor allem Vertrauen schaffen. Solange Menschen aus Angst oder mangelndem Vertrauen keine Anzeige erstatten, bleibt ein Großteil dieser Gewalt unsichtbar. Effektiver Opferschutz beginnt dort, wo Betroffene den Staat als verlässlichen Partner erleben.“

BetterPolice betont in diesem Zusammenhang die zentrale Bedeutung von Vertrauen in staatliche Institutionen. Ohne dieses Vertrauen bleibt jede Kriminalstatistik unvollständig. Eine wirksame Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen erfordert daher nicht nur konsequente Strafverfolgung, sondern auch eine Stärkung von Transparenz, Prävention und gesellschaftlicher Verantwortung.

BetterPolice e.V. spricht sich für eine faktenbasierte, differenzierte und menschenrechtsorientierte Debatte aus. Grundlage allen staatlichen Handelns muss dabei der verfassungsrechtliche Anspruch bleiben: Die Würde jedes Menschen ist unantastbar.